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Kuba

Kuba – das Land der Gegensätze

Weißer Sandstrand, karibische Klänge und Zigarrenrauch – so sah mein Bild von Kuba vor meiner Rundreise aus. Nun ist ein zweites Bild hinzugekommen – das vom echten Kuba. In diesem Blogeintrag erzähle ich euch von den Gegensätze dieses Landes und seinen Menschen. Viel Spaß bei meinem Abenteuer durch ein Land der Gegensätze.

Auf der Suche nach einer Alternative zum österreichischen Winter, fällt die Wahl auf ein weit entferntes Urlaubsziel. Raus aus der Kälte, ab in die Karibik. Von Wien aus fliegen wir knapp zwölf Stunden und kommen am Flughafen Varadero und damit in einer komplett anderen Welt an. Schon am Flughafen werden die Unterschiede deutlich: Während bei uns automatisierte Fließbänder das Gepäck verladen, sind hier dutzende Mitarbeiter mit dieser Aufgabe beschäftigt. Am Flughafenausgang erwartet uns neben tropischen Temperaturen eine Armada aus lautstarken Händlern sowie jede Menge aufdringlicher Taxifahrer.

Nach dem ersten Kulturschock machen wir uns auf die Suche nach unserem Leihauto und werden bei einer in die Jahre gekommenen Hütte fündig. Präsentiert wird uns ein Auto, das in Österreich längst auf dem Schrottplatz gelandet wäre. Wir machen uns auf den Weg zur ersten Station unserer Rundreise, der Hauptstadt Havanna.

Oh, but my heart is in Havana.

Touristen neben Locals in Havanna

Schon die Anreise dorthin ist abenteuerlich: Die Autobahn mit ihren Schlaglöchern und der fehlenden Markierung gleicht eher einem Feldweg denn einer Autobahn. Es fühlt sich an, als wäre die Zeit in Kuba stehen geblieben: Pferdekutschen mit CDs als Reflektoren, Menschen auf klapprigen Rädern und Tiere, die wild über die Straßen laufen.

Nach der turbulenten Fahrt kommen wir in Havanna an und begeben wir uns auf die Suche nach unserem Hotel. Dabei begegnen wir einem weiteren gravierenden Unterschied zum europäischen Leben: Die Navigation via GPS ist nicht möglich. Wir finden unser Hotel schlussendlich mithilfe der Webbeschreibungen der freundlichen Kubaner.

Stadtrundfahrt durch Kubas Hauptstadt

Am nächsten Morgen lernen wir die Stadt und die Kubaner näher kennen. Der historische Altstadtkern mit seinen bunt bemalten Häusern beeindruckt uns ganz besonders. Bei näherem Hinsehen sind die meisten Gebäude allerdings baufällig und könnten eine Renovierung vertragen. Ganz im Gegensatz zu den Regierungsgebäuden, welche in neuem Glanz erstrahlen. Schon hier ahnen wir, dass Geld auf Kuba nicht immer nach dem Prinzip der Fairness verteilt wird und der jahrelange Kommunismus viele negative Seiten hat.

Auf unserer heutigen ToDo-Liste steht eine Stadtrundfahrt mit einem typisch kubanischen Oldtimer. Neben den klassischen Sehenswürdigkeiten, versucht unser Fahrer Alejandro uns zu einer Kunstausstellung zu lenken, für die wir extra bezahlen sollen. Hier wir uns zum ersten Mal bewusst, dass die Kubaner mit allen Mitteln versuchen, maximalen Profit aus den Touristen zu ziehen. Ganz im Gegensatz dazu steht die Lebensfreude der Kubaner: Am Abend tanzen die Inselbewohner auf den Straßen, was sehr typisch für Kuba ist.

Das wunderschöne Vinales-Tal.

Tabakanbau im Vinales Tal

Nach dem Hauptstadt-Tumult geht es für uns weiter Richtung Westen und damit in ein ländliches und ruhiges Gebiet. Schon auf dem Weg sind wir tief beeindruckt von der Landschaft mit ihren weitläufigen Hügeln und Felsen. In Vinales übernachten wir für günstige 25 Euro pro Nacht typisch kubanisch in einer Casa Particular, einem Privatzimmer in einer kubanischen Familie (über Airbnb gebucht). Auffällig ist, wie viel Geld unsere Gastgeber Norma und Carlos in das Gästezimmer investieren, welches sehr modern und großzügig eingerichtet ist. Im Gegensatz dazu steht ihre eigene Wohnung: Die Familie wohnt zu viert in zwei altmodischen und kleinen Zimmern.

Um die Natur zu erleben, unternehmen wir am nächsten Morgen eine Tour durch das Vinales Tal mit unserem Wanderführer Rolando. Mit der typisch kubanischen Verspätung werden wir von ihm abgeholt und ahnen zu diesem Punkt der Reise noch nicht, dass er unsere Sicht auf Kuba verändern wird.

Nicht alles ist gut

Nachdem wir etwas Distanz zur Stadt und unfreiwilligen Mithörern gebracht haben, wird unser Reiseführer gesprächiger und möchte mit uns über Musik, Politik und Europa reden. Er fragt uns nach alten Zeitungen, da es auf Kuba sehr schwierig sei, an Informationen zu kommen. Selbst WLAN gibt es nur an öffentlichen Plätzen und in nur wenigen Privathaushalten. Wir haben ebenfalls schon gemerkt, dass einige Websites komplett gesperrt sind und wir wundern uns daher nicht über das Interesse von Rolando an Neuigkeiten aus der Welt.

Erstaunlich finden wir zudem die Lebensgeschichte von unserem Reiseführer: Als wir an abgelegenen Bauerndörfern vorbeikommen, erzählt uns Rolando von seiner Geschichte. Er ist eigentlich Arzt und würde damit 50 Euro im Monat verdienen. Um mehr zu verdienen, arbeitet er als Touristenführer.

Verglichen mit den niedrigen Löhnen in diesem Land, erscheinen uns die 25 Euro für unsere Übernachtung gar nicht mehr so günstig. Warum sind die Vermieter der Casas dann nicht viel wohlhabender? Rolando erklärt uns, dass die Abgaben an die Regierung so hoch sind, dass von dem Gewinn nicht viel übrig bleibe.

Arbeiter bei der Tabakernte auf einer Plantage

Ähnliches erzählt uns auch der Bauer, den wir auf seiner Tabakplantage besuchen. Er erläutert uns, dass nahezu der gesamte Tabak der weltbekannten Zigarren im Vinales Tal geerntet wird. Der Bauer selbst muss 90 % der Ernte an den Staat abgeben. Seinen Gewinn muss er natürlich versteuern und seine Mitarbeiter davon bezahlen. Um kostengünstig zu wirtschaften übernachten die Tabakbauern während der Ernteperiode in einer kleinen Hütte.

Trotzdem erzählt er uns stolz und mit einem Lächeln auf den Lippen von seiner Arbeit. Die Kubaner brauchen offensichtlich nicht viel, um glücklich zu sein und wirken trotz der vielen Probleme im Land zufriedener als wir Europäer. Bei einer Kokosnuss auf einem der höchsten Berge des Tals lassen wir den Tag ausklingen und genießen den Ausblick.

Nächster Halt: Trinidad

Historisches Zentrum von Trinidad

Bevor es am nächsten Tag weiter Richtung Osten geht, frühstücken wir typisch kubanisch: Mangosaft, pappige Brötchen, Ananas, Melone und Kaffee. Uns fällt auf: Am Tag davor gab es keinen Mangosaft. Warum das so ist, fragen wir unsere Gastgeberin Norma. Sie erklärt uns, dass in den kubanischen Supermärkten nicht jeden Tag alle Lebensmittel vorrätig sind. Was bei uns unvorstellbar ist, ist hier leider Realität.

Gut gestärkt geht es über die mit Schlaglöchern übersäte Autopista weiter Richtung Trinidad. Wir fahren ein Stück abseits der Autobahn, um mehr von den Menschen zusehen. Oft werden direkt vor den Häusern selbst angebaute Lebensmittel verkauft. Bei einem Bauern kaufe ich einen Bund Bananen und gebe ihm dafür umgerechnet einen Euro. Der Kubaner sieht mich überrascht und gleichzeitig dankbar an. Im Rückspiegel sehe ich, sehe ich, wie er seinen Stand abbaut. Ich vermute, dass er davon wohl eine Woche gut leben kann.

In Trinidad angekommen beziehen wir unser Zimmer im Hostal D’Lena und werden herzlich von Desiderio und seiner Familie begrüßt. Wir erkunden die Stadt und sind gleich begeistert: So viele bunte Häuser in allen möglichen Farben haben wir bisher in ganz Kuba nicht gesehen. Der schöne Plaza Major erinnert an die Kolonialzeit und hat einen ganz besondern Flair. Rund um den Plaza Major befinden sich einige sehenswerte Museen. Das historische Zentrum ist sogar unter den UNESCO-Welterbestätten gelistet. Wer genug vom Stadtleben hat, kann sich ganz in der Nähe am bildschönen Strand Ancon entspannen.

Its Relax-Time in Varadero

Für die letzten Tage quartieren wir uns in einem Strandhotel in Varadero ein. Der Ort ist bei Touristen sehr beliebt und die Hotelanlagen reihen sich am Sandstrand entlang. Wir fühlen uns unwohl und das liegt nicht am Hotel. In den vergangenen Tagen haben wir das wahre Kuba und die Menschen des Landes kennengelernt. Die Gegensätze zu dieser Hotelanlage könnten nicht größer sein: Das Buffet ist voll mit Essen, das wir auf unserer ganzen Reise nicht gesehen haben. Während im Rest des Landes gähnende Leere in den Supermarktregalen herrscht, werden hier täglich alle Köstlichkeiten angeboten.

Strand von Varadero

Das echte kubanische Leben spielt sich abseits der All-Inclusive-Angebote ab. Das echte Kuba haben wir durch unseren Reiseführer Rolando, unsere Gastgeber Norma, Carlos und Desiderio und allen anderen Menschen, denen wir auf unsere Reise begegnet sind, kennengelernt. Die Lebensfreude und der Zusammenhalt haben uns tief beeindruckt und so kehren wir mit einem Koffer voller Eindrücke und Emotionen zurück nach Wien.

Hast du doch eher Lust auf ein europäisches Urlaubsziel? Dann schau dir doch meine Blog Beitrag über die Nordsee an 🙂

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